Schmerzgrenze

»Selbst wenn man einen biologischen „Selbsterhaltungstrieb“ postuliert, kann man auf unerwartete Schwierigkeiten stoßen. Sozial lebende Säugetiere, zu denen auch der Mensch zu zählen ist, büßen ihren „Selbsterhaltungstrieb“ ein, sobald sie für längere Zeit isoliert und gezwungen werden, gegen ihren Willen alleine zu leben: Nicht nur der Wunsch nach Nahrungsaufnahme, auch weitere Anzeichen von Vitalität (z.B. die spontane Neigung, sich zu bewegen) lassen unter Isolationsbedingungen, auch wenn genügend Nahrung zur Verfügung steht, drastisch nach. Soweit es sozial lebende Arten betrifft, gehen über lange Zeit isolierte oder sozial ausgegrenzte Individuen, ungeachtet eines angeblichen „Selbsterhaltungstriebes“ zugrunde.« – Joachim Bauer, Schmerzgrenze