parasit

sie aß bücher. ganze bände davon schlang sie hinunter, um die leere zu füllen, von der sie überzeugt war, dass diese in ihr hauste und sie irgendwann von innen heraus verschlingen, auffressen würde. also aß sie all diese wörter, buchstaben, sätze, zeichen, und hoffte darauf, dass das geschwärzte stopfen eines tages ein ende finden und sie endlich zu dieser weißen ruhe gelangen könnte, von der sie so oft gelesen hatte. aber der verstand war es, der in ihr an ihr fraß, nicht die leere. und ihr verstand war gierig, immerzu hungrig, weil ihm das gefühl der sättigung über die jahre hinweg immer fremder wurde, bis es schließlich vollkommen verschwand, und er fortan alles wollte, was er durch sie kriegen konnte. bald würde er sie aufgebraucht haben und sie weggeworfen zurücklassen, weil er alles weggeworfen zurückließ, was ihm seiner nicht mehr würdig erschien.
– Karolina Plachetko