Vorwinter

»Das Zukünftige nimmt ab, das Vergangene wächst an, bis die Zukunft verbraucht und das Ganze vergangen ist.«
–Augustinus

Aporetiker

»Denken bedeutet mit sich selbst zu kommunizieren. Die Möglichkeit des Dialoges. Das eine Ich ist gesichtslos, alterslos, namenlos, und ein anderes Ich hat meinen Namen, mein Gesicht.«
– Paul Valery (1871 - 1945)

Abwarten

»Leben ist das, was alle tun; alle tun warten; also ist Leben Warten.«
– Markus Werner

Bei einem Abschied

Lass uns nicht auseinandergehn
Wie Leute,
Die ein schlechtes Geschäft
Gemacht haben.
So nah
Sind wir uns nur gekommen,
Weil wir uns sonst
Nicht erkennen konnten.
Wenn du von Betrug reden willst,
Rede von Selbstbetrug.
Wenn wir etwas verloren haben,
Sind es Illusionen.
Was wir gewonnen haben,
Sind Erfahrungen.
Enttäuscht sind wir nur
Von uns selber.
Dass wir uns trennen,
Liegt daran,
Dass wir ehrlich waren.
Lass uns nicht auseinandergehen,
Als ob wir
Ein schlechtes Geschäft gemacht hätten.
– Heinz Kahlau

Lebensraum

»Das fließende Wasser meines Lebens ist auf eine hemmende Schleuse gestoßen: durch diese Unterbrechung staut es sich, fließt zurück, bewegt sich in entgegengesetzten und sich überlappenden Richtungen. Ich befinde mich in einer der unzähligen Pausen der Uhr. Aber die Zeit, die sich anhäuft, schiebt mich voran.«
– José Saramago, Handbuch der Malerei und Kalligraphie

Phänomenal

«…die Depression definiert als psychosomatisches Phänomen, ausgelöst durch die Einsicht in die Sinnlosigkeit des Seins, die dem Sein an sich anhafte, der Sinn des Seins sei das Sein selber und damit sei das Sein prinzipiell nicht auszuhalten…»
– Friedrich Dürrenmatt, Vom Beobachten des Beobachters der Beobachter