Lichtinsel

»Es gab vielerlei Gefühle, scheinbar, aber im Grunde waren sie eins. Man kann alles Gefühl Willen nennen, oder wie immer. Ich nenne es Liebe. Glück ist Liebe, nichts anderes. Wer lieben kann, ist glücklich. Jede Bewegung unserer Seele, in der sie sich selber empfindet und ihr Leben spürt, ist Liebe. Glücklich ist also der, der viel zu lieben vermag. Lieben aber und Begehren ist nicht ganz dasselbe. Liebe ist weise gewordene Begierde; Liebe will nicht haben; sie will nur lieben…«
– Hermann Hesse, Wer lieben kann, ist glücklich

Passagenritus

»Wenn das Leben beginnt, hätte man Grund genug zur Angst, hat aber keine; wenn es endet, hat man Angst genug, aber keinen Grund.«
– Karlheinz Deschner

Vertrauensfrage

»Wer sagt denn, dass es besser ist, wahnsinnig unter der Realität zu leiden, als ahnungslos in einer Phantasiewelt zu schwelgen?«
– Jorge Bucay

Schleierhaft

»Also, wer erwartet, daß in der Welt die Teufel mit Hörnern und die Narren mit Schellen einhergehn, wird stets ihre Beute, oder ihr Spiel sein.«
– Arthur Schopenhauer

Behirnt

»Not lehrt Denken.«
– Ernst Bloch

Denkbarkeit

»Das Denken ist ein Vogel des Himmels, der in einem Käfig aus Worten zwar
vielleicht seine Flügel ausbreiten kann, nicht aber zu fliegen vermag.«
Khalil Gibran

Lichtblick

»Als wäre alles schon in der Kindheit beschlossen.«
– Robert Musil, Der Mann ohne Eigenschaften

Vanitas

»Als wir zum ersten Male berichteten, daß unsere Freunde geschlachtet wurden, gab es einen Schrei des Entsetzens und viele Hilfe. Da waren hundert geschlachtet. Aber als tausend geschlachtet waren und des Schlachtens kein Ende war, breitete sich Schweigen aus, und es gab nur mehr wenig Hilfe.
So ist es. Wenn die Verbrechen sich häufen, werden sie unsichtbar. Wenn die Leiden unerträglich werden, hört man die Schreie nicht mehr. Ein Mensch wird geschlagen, und der zusieht, wird ohnmächtig. Das ist nur natürlich. Wenn die Untat kommt, wie der Regen fällt, dann ruft niemand mehr halt.«
Bertolt Brecht: Rede am Internationalen Schriftstellerkongress zur Verteidigung der Kultur, Paris, 21. Juni 1935

Pflänzchen

»Das Schöne am Frühling ist, dass er immer dann kommt, wenn man ihn am dringendsten braucht.«
– Jean Paul

Unschuldslos

»Die Kindheit läuft immer noch mit wie ein kleiner Hund, der einmal ein froher Gefährte gewesen ist und den man jetzt pflegen und schienen muß, ihm tausenderlei Medikamente eingeben, damit er einem nicht unter der Hand stirbt.«
– Thomas Bernhard, Frost